Florenz ist eine der kompaktesten Großstädte Italiens – fast jede zentrale Adresse liegt zu Fuß bei Dom, Uffizien und Ponte Vecchio. Genau deshalb ist die Hotelwahl hier weniger eine Frage der Entfernung als eine Frage von Charakter, Viertel und Budget. Die folgende Auswahl deckt fünf sehr unterschiedliche Stufen ab, vom Fünf-Sterne-Haus mit Kuppelblick bis zum Schlafsaal neben dem Dom, und jede Empfehlung steht für eine klare Idee, wie man Florenz erleben will.
Die genannten Preise sind grobe Richtwerte pro Nacht und schwanken stark mit Saison und Termin; verbindliche Tarife gibt es nur tagesaktuell über die Buchungsportale. Welches Viertel am besten zu dir passt, vertieft der Ratgeber Wo übernachten in Florenz?.
Erst das Viertel, dann das Hotel
Die Wahl fällt in Florenz praktisch immer auf eines von zwei Quartieren. Das Centro Storico rund um Dom, Uffizien und Ponte Vecchio ist das touristische Herz – alle Höhepunkte vor der Tür, dafür tagsüber am stärksten von Tagesbesuchern frequentiert, am vollsten und am teuersten. Wer mitten im Geschehen wohnen und morgens als Erster am Dom stehen will, ist hier richtig.
Das Oltrarno südlich des Arno ist die ruhigere, authentischere Alternative, nur wenige Brückenminuten vom Zentrum entfernt. Tagsüber prägen Werkstätten, Antiquitätenläden und Handwerk das Viertel, abends lebt es vor allem rund um die Piazza Santo Spirito auf. Santo Spirito und das angrenzende San Frediano gelten als das trendigste, lebendigste Eck des Oltrarno mit Bars und junger lokaler Szene – lebendig bis, an Wochenenden und in der Hochsaison, mitunter laut. Das ist Geschmackssache, aber eine bewusste Entscheidung wert.
Die fünf Häuser hier verteilen sich genau auf diese beiden Seiten des Flusses. Drei liegen im Centro Storico beziehungsweise am Nordufer, zwei im Oltrarno – so lässt sich die Auswahl auch nach gewünschtem Tempo der Umgebung treffen, nicht nur nach Sternen.
Hotel Savoy – Fünf Sterne mitten am Dom
Das Hotel Savoy der Rocco Forte Hotels steht an der Piazza della Repubblica im Centro Storico, etwa auf halbem Weg zwischen Dom und Uffizien – eine der zentralsten Adressen überhaupt. Das Haus zählt 80 klimatisierte Zimmer und Suiten, viele mit Blick auf die Piazza, auf Brunelleschis Domkuppel oder auf Giottos Campanile.
- Restaurant Irene. Das hauseigene Restaurant ist nach Lady Irene Forte benannt und versteht sich als elegante toskanische Trattoria mit moderner Note – Bistro-Charakter statt steifer Hotelgastronomie. Ein Fitnessbereich mit Technogym-Geräten ergänzt das Angebot.
- Preisklasse. Standardzimmer liegen je nach Saison im Bereich von grob 1.100 bis 2.300 US-Dollar pro Nacht, also klar in der oberen Luxuskategorie.
- Anreise und Parken. Der Bahnhof Santa Maria Novella ist nur wenige Gehminuten entfernt (Größenordnung fünf bis zehn Minuten zu Fuß), praktisch für die Anreise per Highspeed-Zug. Valet- Parking gibt es in einer Garage wenige Gehminuten entfernt, kostenpflichtig in der Größenordnung von rund 47 bis 50 Euro pro Tag und mit Reservierung.
Wer maximale Zentralität und klassischen Grandhotel-Service sucht und das Budget hat, findet im Savoy die naheliegendste Adresse am Dom.
Portrait Firenze und Hotel Lungarno – am Arno, zwei Ufer
Gleich zwei Häuser der Lungarno Collection aus dem Besitz der Familie Ferragamo liegen direkt am Fluss und teilen sich eine gemeinsame Stärke – den Blick auf Arno und Ponte Vecchio.
Das Portrait Firenze ist ein Fünf-Sterne-Boutiquehotel mit nur 37 Zimmern und Suiten, darunter eine Rooftop-Suite und ein 273 Quadratmeter großer Penthouse-Floor. Es ist Mitglied von The Leading Hotels of the World und steht am Lungarno degli Acciaioli, rund 30 Meter vom Ponte Vecchio entfernt, mit Blick auf den Arno. Das hauseigene Caffè dell’Oro kocht zeitgenössisch italienisch und hat eine Außenlounge mit Ponte-Vecchio-Blick, geöffnet etwa von 7 bis 22 Uhr. Realistisch liegt die Preisspanne je nach Saison und Kategorie grob zwischen 800 und 2.100 US-Dollar pro Nacht, Suiten mit Balkon kosten rund 150 Euro Aufpreis.
Das Hotel Lungarno steht am Südufer im Oltrarno am Borgo San Jacopo, direkt am Arno, mit Ponte Vecchio und allen Hauptsehenswürdigkeiten in wenigen Gehminuten. Es hat 62 Zimmer und Suiten, viele mit privaten Terrassen mit Fluss- und Brückenblick. Was das Haus besonders macht, ist seine Kunst:
- Über 400 Originalwerke des 20. Jahrhunderts hängen in Zimmern, Fluren, Lounge und der Picteau-Lounge, darunter Arbeiten von Picasso und Cocteau sowie italienische Künstler wie Cassinari, Guidi, Morlotti, Rosai, Sironi, Tosi und Bueno.
- Borgo San Jacopo ist das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant des Hauses; die Picteau Bistrot & Bar ist nach Picasso und Cocteau benannt.
Zwischen beiden entscheidet vor allem die Seite des Flusses – Portrait für die Bühnenlage mitten im Trubel des Nordufers, Lungarno für den etwas ruhigeren, kunstvollen Rückzug im Oltrarno.
Palazzo Guadagni – Renaissance-Palast mit Loggia
Wer den Charme eines historischen Hauses ohne die Preise der Luxusliga sucht, wird im Hotel Palazzo Guadagni an der Piazza Santo Spirito fündig. Das Hotel residiert in einem Renaissance-Palast, der auf das frühe 16. Jahrhundert (um 1505) datiert wird und mit seiner charakteristischen Loggia als erste ihrer Art in Florenz gilt.
- Loggia Roof Bar. Die Loggia im dritten Stock dient als Dachbar mit Panoramablick über Florenz – für Lunch, Afternoon Tea und Aperitivo, Hausgästen steht sie offen.
- Zimmer mit Geschichte. Einige Zimmer haben Fresken, Kamine und Blick auf Dom oder Palazzo Pitti.
- Lage. Wenige Schritte trennen das Haus vom Ponte Vecchio, vom Palazzo Pitti und vom Boboli-Garten, eingebettet in ein Viertel voller Antiquitäten- und Handwerksläden.
Ein ehrlicher Hinweis zur Lage – die Piazza Santo Spirito ist tagsüber durch Markt, Studenten und Besucher belebt und wird abends zum Zentrum der Oltrarno-Movida mit Bars und jungem Publikum. Das ist Teil des Reizes, kann aber an Wochenenden bis spät laut werden. Wer sensibel schläft, fragt nach einem Zimmer zum Innenhof.
Academy Hostel – Bestes Budget direkt am Dom
Florenz lässt sich auch mit kleinem Budget zentral erleben. Das Academy Hostel liegt an der Via Ricasoli 9, unmittelbar neben dem Dom und am Anfang der Straße, die zur Galleria dell’Accademia mit Michelangelos David führt – untergebracht in einem Palast aus dem frühen 17. Jahrhundert.
- Ausstattung. Rund zehn Zimmer mit Klimaanlage und persönlichem Safe; in den Mehrbettzimmern, etwa Vier-Bett-Schlafsälen, gibt es große Bäder, kostenlose Schließfächer pro Bett, Bettwäsche und Handtücher sowie eine Nachtwache.
- Preis. Ein Bett im Schlafsaal beginnt je nach Saison bei etwa 60 bis 67 Euro pro Nacht.
Für die Lage ist das ein sehr faires Niveau – eine zentralere Adresse am Dom bekommt man kaum, und wer ohnehin den ganzen Tag unterwegs ist, zählt vor allem den kurzen Weg zu allem.
Was sonst noch in die Spitzenklasse gehört
Die Fünf-Sterne-Liga in Florenz ist größer als diese Auswahl. Wer die obersten Häuser vergleichen will, sollte drei weitere Adressen kennen:
- The Westin Excelsior am Arno, mit 171 Zimmern das größte der hier genannten Luxushäuser und mit der Rooftop-Bar Se.Sto on Arno über den Dächern.
- Continentale, ebenfalls aus der Lungarno Collection der Familie Ferragamo, ein Boutiquehaus mit 43 Zimmern und der Dachterrasse La Terrazza mit Blick auf den Ponte Vecchio.
- Palazzo Niccolini al Duomo, ein intimes Haus rund 50 Meter vom Dom mit eigener Dachterrasse.
Welches Haus am Ende passt, hängt weniger an der Sternzahl als an der Frage, wie nah am Trubel du schlafen willst und wie viel Atmosphäre dir der Bau selbst wert ist. Für die grundsätzliche Viertel-Entscheidung lohnt vorab ein Blick in Wo übernachten in Florenz? – und egal welche Adresse es wird, in guter Saison sind zentrale Häuser früh ausgebucht, frühes Buchen zahlt sich aus.